Comic-Workshop an der Mali-Gemeinschaftsschule: Drei Tage Zeichnen, Erzählen und eigene Welten erfinden
An der Mali-Gemeinschaftsschule in Biberach durfte ich mit der Lerngruppe 8a einen dreitägigen Comic- und Zeichenworkshop gestalten. Im Mittelpunkt stand das Thema „Lebenstraum“ – also die Frage: Welche Wünsche, Ziele, Träume und Zukunftsvorstellungen tragen die Schülerinnen und Schüler eigentlich in sich?Aus diesen Gedanken sollten am Ende eigene kleine Comics entstehen. Nicht als perfekte Kunstwerke, sondern als persönliche Geschichten auf Papier.
Am ersten Tag ging es vor allem darum, warm zu werden. Wir machten Lockerungs- und Kennenlernübungen und näherten uns dem Zeichnen ganz praktisch. Ein Schwerpunkt war die Hand: Wie sieht sie aus verschiedenen Perspektiven aus? Warum ist sie so schwer zu zeichnen? Und wie kann man sie trotzdem Schritt für Schritt besser verstehen?
Die Schülerinnen und Schüler beobachteten, probierten aus, zeichneten nach, veränderten und studierten. Dabei ging es nicht nur um „richtig“ oder „falsch“, sondern vor allem darum, genauer hinzuschauen und sich zu trauen.
Am zweiten Tag standen Kopf, Körper und Comic-Grundlagen im Mittelpunkt. Wir beschäftigten uns mit Figuren, Proportionen, Ausdruck und Bewegung. Außerdem analysierten wir gemeinsam Comics: Was macht einen Comic eigentlich zum Comic? Welche Kennzeichen gibt es? Wie funktionieren Panels, Sprechblasen, Bildfolge, Timing und Perspektive? Worauf muss ich achten, damit aus einzelnen Bildern eine erzählte Geschichte wird?
Dabei wurde schnell klar: Ein Comic ist viel mehr als „ein paar Bilder mit Text“. Ein Comic ist Rhythmus, Blickführung, Ausdruck, Entscheidung und Erzählung. Man muss überlegen, was man zeigt, was man weglässt und wie man Leserinnen und Leser durch die Geschichte führt.
Am dritten Tag wurde es dann ernst – aber auf die gute Art. Die Jugendlichen arbeiteten fast den ganzen Tag an ihren eigenen kleinen Comics. Jede und jeder entwickelte eine eigene Idee, eigene Figuren und eine persönliche Geschichte. Manche Comics waren lustig, andere nachdenklich, manche wild, andere sehr ruhig. Genau diese Vielfalt machte den Workshop besonders.
Aus beruflichen Ambitionen, persönlichen Wünschen, Zukunftsbildern und kleinen Traumwelten entstanden individuelle Comicseiten, die zeigten, wie viel Kreativität in der Lerngruppe steckt.
Für mich war es ein sehr schöner Workshop, weil die Schülerinnen und Schüler nicht einfach nur „gezeichnet“ haben. Sie haben beobachtet, nachgedacht, ausprobiert, verworfen, neu angefangen und ihre eigenen Themen sichtbar gemacht.
Und genau darum geht es beim Zeichnen oft: nicht um Perfektion, sondern darum, eine Idee aus dem Kopf aufs Papier zu bringen.
Manchmal beginnt ein Lebenstraum eben nicht mit einem großen Plan, sondern mit einer krummen Linie, einer wackeligen Hand und dem Mut, trotzdem weiterzuzeichnen.











